Die Ästhetik der Evolution. Ernst Haeckel sah Kunst in der Natur

Ernst Hae­ckel, Kunst­for­men der Natur | Orchide­ae

Stel­len Sie sich vor, Sie bli­cken durch ein Mikro­skop und ent­de­cken dort voll­kom­me­ne Sym­me­trie. In einer Welt, in der Wis­sen­schaft oft als tro­cken gilt, bricht ein Mann im 19. Jahr­hun­dert alle Regeln: Ernst Hae­ckel (1834 — 1919). Er ist nicht nur ein lei­den­schaft­li­cher Bio­lo­ge, son­dern ein Visio­när, der uns zeigt, dass die Natur der größ­te Künst­ler ist.

Als Haeckel auf Darwin trifft

Ernst Hae­ckel

Hae­ckels Rei­se beginnt mit einer Revo­lu­ti­on im Kopf. Charles Dar­wins Buch „Über die Ent­ste­hung der Arten“ ent­hält für ihn weit mehr als eine wis­sen­schaft­li­che Theo­rie – es ist eine Erleuch­tung. Hae­ckel wird zum feu­rigs­ten Bot­schaf­ter Dar­wins in Deutsch­land. Er erkennt: Alles Leben ist mit­ein­an­der ver­wo­ben, Pflan­zen und Tie­re haben sich aus ein­fa­che­ren For­men wei­ter­ent­wi­ckelt — auch der Mensch.

Die­se Begeis­te­rung für die Evo­lu­ti­on treibt ihn an. Er will die Ver­wandt­schaft aller Lebe­we­sen nicht nur erklä­ren, son­dern sicht­bar machen. Für Hae­ckel ist die Evo­lu­ti­on kein Cha­os, son­dern eine stän­di­ge Bewe­gung hin zu immer kom­ple­xe­ren For­men.

„Kunstformen der Natur“: Die Ordnung der Tiefsee

Hae­ckel ord­net sei­ne Moti­ve auf den Tafeln so meis­ter­haft an, dass sie wie Orna­men­te wir­ken. Er sucht die idea­le Form, die gött­li­che Geo­me­trie im Was­ser. Dabei geht er so weit, dass Kri­ti­ker ihm vor­wer­fen, er wür­de die Rea­li­tät „ver­schö­nern“. Doch für Hae­ckel ist klar: Die Wahr­heit der Natur liegt in ihrer ästhe­ti­schen Voll­endung.

Kunst­for­men der Natur (1899–1904)

Sein Meis­ter­werk, die „Kunst­for­men der Natur“, ist bis heu­te ein Mei­len­stein der Illus­tra­ti­ons­kunst. Hae­ckel kon­zen­triert sich auf das, was vie­le über­se­hen: die win­zi­gen Lebe­we­sen der Mee­re. Sei­ne Dar­stel­lun­gen von Qual­len (Medu­sen), Kalk­schwäm­men und Radio­la­ri­en (Strah­len­tier­chen) sind von gera­de­zu hyp­no­ti­scher Sym­me­trie.

Vom Mikroskop zum Jugendstil

Die Wir­kung sei­ner Bil­der ist gewal­tig. Archi­tek­ten, Kunst­hand­wer­ker und Desi­gner des Jugend­stils (Art Nou­veau) las­sen sich von Hae­ckels For­men inspi­rie­ren. Ob Lam­pen, Fas­sa­den oder Stoff­mus­ter – die geschwun­ge­nen Lini­en sei­ner Qual­len fin­den sich plötz­lich in den Salons von Paris und Ber­lin wie­der. Hae­ckel ver­bin­det die küh­le Wis­sen­schaft mit der Sehn­sucht der Men­schen nach Schön­heit.

Ein Stück Naturgeschichte für heute

War­um fas­zi­nie­ren uns die­se Bil­der über 100 Jah­re spä­ter immer noch? Viel­leicht, weil wir in einer hek­ti­schen Welt die Sehn­sucht nach die­ser tie­fen, inne­ren Ord­nung der Natur ver­spü­ren.

In den „Bil­der­schät­zen“ las­sen wir die­se Visi­on wie­der auf­le­ben. Es ist ein beson­de­res Erleb­nis, die­se his­to­ri­schen Meis­ter­wer­ke nicht nur digi­tal zu betrach­ten, son­dern sie phy­sisch in den Hän­den zu hal­ten. In unse­rem Gruß­kar­ten-Set fei­ern wir Hae­ckels Blick auf die Welt – als klei­ne Kunst­wer­ke, die eine Brü­cke schla­gen vom Oze­an des 19. Jahr­hun­derts direkt auf Ihren Schreib­tisch.

Ent­de­cken Sie die Sym­me­trie der Natur neu und las­sen Sie sich von Hae­ckels Lei­den­schaft anste­cken. Mehr Hae­ckel-Moti­ve in der Gale­rie.

aus Kunst­for­men der Natur

Text: Ger­hard Groe­be, Bil­der: Public domain

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert