Die Blumenmotive auf Ihren Teetassen sind 200 Jahre alt? Kann das sein? Na klar, und sie können auch Ihre Wände mit dieser Blumenpracht schmücken oder Ihre Bettwäsche. Und vor dem Einschlafen in einem der zahlreichen Prachtbände mit diesen Blütenwundern blättern, von denen es heute mehr denn je gibt.


Die Rede ist von Pierre-Joseph Redouté (1759–1840). Die Geschichte klingt wie ein Drehbuch: Als 13-Jähriger verlässt er sein Dorf in den Ardennen, um Malerlehrling zu werden. Drei Jahre später kommt er als mittelloser Unbekannter in Paris an – und legt eine filmreife Karriere hin.
Redouté verdient sich ein paar Sous mit dem Verkauf kleiner Blumenbilder an einen Straßenhändler. Und eines der Bilder begeistert den reichen Hobbybotaniker L’Héritier, der vermittelt den Kontakt zu einem der angesehensten Künster, dem Holländer Gérard van Spaendonck. Der erkennt die Fähigkeiten des jungen Malers und fördert ihn — der Beginn einer Freundschaft bis zu van Spaendoncks Lebensende.
Überlebenskünstler zwischen den Thronen
Redoutés Karriere überdauert heftige politische Umbrüche wie die Französische Revolution, er arbeitet nacheinander als offizieller Maler für Königin Marie-Antoinette, Kaiserin Josephine Bonaparte und Marie-Amélie, wieder eine Königin. Dazu gibt er mehreren Prinzessinnen Malunterricht. Sein Erfolg basiert auf seiner Fähigkeit, Blumenportraits zu schaffen, die eine einzigartige Verbindung von wissenschaftlicher Präzision und künstlerischer Anmut haben. Seine berühmtesten Werke, Les Liliacées über die Liliengewächse und vor allem Les Roses, entstehen in dieser Zeit und zeigen Pflanzen aus den französischen Kaiserlichen Gärten.

Amaryllis de Josephine aus Les liliacées von 1813
Redoutés Werke erzielen heute astronomische Preise: Originalseiten aus Redoutés “Choix des Belles Fleurs…” werden für 1.600 $ gehandelt, aber ganze Werke sind richtig teuer: Das berühmteste von allen, das dreibändige Les Roses, entstanden von 1817 bis 1824, erzielte 2024 bei Sotheby’s 42.000 €, ein Exemplar wechselte 1994 bei Christie’s sogar für rund 330.000 € den Besitzer.
Doch man muss kein Millionär sein, um Redouté zu genießen. Ob auf Porzellan, Tischdecken oder Tapeten – seine Werke sind heute präsenter denn je.
Wir werden hier noch tief in die Welt von Pierre-Joseph Redouté eintauchen. Lassen Sie sich überraschen!
Gerhard Groebe, Bilder: Public domain
Redouté Werke sind auch nach 200 Jahren noch aktuell










