Tulpen, Tulpen, immer nur Tulpen. Dem holländische Pflanzenhändler Emanuel Sweerts (1552–1612) gefällt die immer verrückter werdende Leidenschaft für die erst vor wenigen Jahren in den Niederlanden eingeführten Blumen — denn er ist derjenige, der die kostbaren Blumenzwiebeln liefern kann.
Er nutzt die Möglichkeiten des noch recht neuen Kupferstichs mit seinen feinen Linien, differenzierten Schraffuren und hoher Detailgenauigkeit für ein geradezu modern anmutendes Werbemittel: Er lässt Kataloge erstellen, mit denen er seine Waren anpreist. Kupferstiche für modernes Marketing.

Diese Werke enthalten mehr als 100 handkolorierte Tafeln mit Zwiebel- und Blumenarten. Sie dienen als luxuriöser Warenkatalog für den Pflanzenverkauf. Sweerts ist ein geschäftstüchtiger Netzwerker: Jährlich betreibt er einen Marktstand auf der Frankfurter Messe, dem damaligen Zentrum des Welthandels, um seine Zwiebeln an ein internationales Publikum zu verkaufen. Außerhalb der Messezeiten vertreibt er seine Schätze in Amsterdam. Solche historischen Blumenbücher, die keine Heilpflanzen zeigen und auch nicht wissenschaftlichen Zwecken dienen, heißen Florilegien.
Der Funke zur Tulipomanie
Mit seinen Katalogen bedient Sweerts ein rasant wachsendes Interesse an exotischen Pflanzen, die nun immer häufiger die europäischen Häfen erreichen. Wie erwähnt, sind vor allem Tulpen in einem Maße begehrt, das uns heute fast unvorstellbar erscheint. Sweerts profitiert nicht nur von diesem Trend, er heizt ihn mit seinen attraktiven Abbildungen im Florilegium aktiv an.
Doch was daraus nur zwanzig Jahre nach seinem Tod — in den Jahren 1634 bis 1637 — entstehen sollte, kann er nicht ahnen: die “Tulipomanie”. Diese erste große Spekulationsblase der Geschichte erschüttert das Wirtschaftssystem der gesamten Republik der Vereinigten Niederlande. Eine einzelne Tulpenzwiebel kostete zeitweise so viel wie ein ganzes Amsterdamer Grachtenhaus. Das ist eine Geschichte, die ich hier erzähle.
Gerhard Groebe, Bilder: Public domain
In unserer Galerie zeigen wir Ihnen die prächtigen Stiche aus Sweerts’ Florilegium – die Vorboten eines beispiellosen wirtschaftlichen Rausches.











