Viele Blumen, die in europäischen Garten blühen, sind im Japan des 19. Jahrhunderts unbekannt. Chinesische Importe wie die Pfingstrose gibt es schon lange, aber Tulpen, Dahlien, Stiefmütterchen, Kosmeen und Petunien sind unbekannt. Erst nach der Öffnung des Inselstaats im Zuge der Meiji-Restauration ab 1868 werden sie in botanischen Gärten kultiviert.
Der Holzschnittmeister Tanigami Konan (1879–1928) ist einer der ersten japanische Künstler, der diese exotischen westlichen Blumen malen. Und das auf besonders lebendige und naturgetreue Weise. Doch auch wenn die Objekte seiner Kunst westlich sind, ist Konan doch ein Vertreter der klassischen japanischen Malerei — Nihonga 日本画 genannt. Seine Spezialität sind Darstellungen von Pflanzen und Tieren — Kachō‑e 花鳥絵.

Tanigami Konan erschafft fünf Bände mit Farbholzschnitten, die um 1917/18 vom Verlag Unsōdō — berühmt für besonders edle Bildbände — veröffentlicht werden. Die Serie trägt den Titel “Seiyō Sōka Zufu” 西洋草花図譜, in deutsch: Ein Bilderalbum westlicher Pflanzen und Blumen. Sie zeigt üppige Blumen und exotische Pflanzen in voller Blüte. Jeweils zwei Bände sind der Frühlings- und der Sommersaison gewidmet, während der fünfte Band die Blumen und Pflanzen umfasst, die in der Herbst- und Wintersaison blühen.
Während Tanigami Konans Blumen in den kühnsten Farben leuchten, bleibt der Schöpfer dieser Pracht fast unsichtbar. Es existiert kein bekanntes Porträt von ihm – als hätte er sich ganz hinter die Schönheit seiner westlichen Pflanzen zurückgezogen.
Das Weiß der Austernschalen
Die Holzschnitte werden in aufwendigem Mehrfarben-Druck hergestellt. Während im klassischen japanischen Holzschnitte meist transparente Wasserfarben verwendet werden, nutzt die Werkstatt für das Seiyō Sōka Zufu einen opaken Druck mit sehr hoher Pigmentdichte. Die deckenden Farben entstehen durch das Beimischen eines ganz besonderen weißen Pulvers: Gofun, ein Pigment aus fein zerriebenen Muschelschalen. Die Schalen lagern jahrelang unter freiem Himmel und wittern aus, bevor sie zu feinstem Pulver verarbeitet werden.
Text: Gerhard Groebe, Bilder: Public domain
Motive aus dem “Bilderalbum westlicher Pflanzen und Blumen” von 1917:















































